Übung macht den Tänzer Vol. 1

Im Text Meine (imaginären) Tanzkünste erzählte ich ja bereits, welch atemberaubender Tänzer ich bin und dass meine Freundin deshalb unbedingt einen Tanzkurs mit mir belegen möchte.

Heute war es dann soweit, die Bühne wurde eröffnet für den schlechtesten Tänzer 2013 – Mich. Bühne, oder besser gesagt eine Tanzbar mit einer recht großen Tanzfläche, in der regelmäßig auch Tanzkurse unterrichtet werden, sowie jetzt auch unser Anfängerkurs von der Tanzschule Gutmann.

 

Ich war sehr nervös, als ich vor der Tanzbar stand und auf meine Freundin wartete. Schweißnasse Hände waren nicht das einzige Indiz. Dennoch schaffte ich es, cool zu wirken. Wollte mich nicht schon vor der großen Show blamieren.

Es ging dann auch recht zügig los, nachdem alle Formalitäten geklärt waren, eine Prozedur, die die Kursveranstalter souverän meisterten.

 

Ganz anders als ich, der ich meine Coolness-Fassade mehr und mehr verlor und lieber doch an jedem anderen Ort der Erde gewesen wäre, als hier in der Tanzbar. Denn jetzt merkte ich schnell, dass es sehr ernst wurde und der gut belegte Kurs nun bald sehen können würde, was einen absolut schlechten Tänzer ausmacht und welch Ausstrahlung er hat.

Und es kam noch schlimmer: ich musste mich gleichzeitig auch meiner Eifersucht stellen, was das Tanzen anderer Männer mit meiner Freundin angeht. Das lag daran, dass es mit den Tanzpartnern nicht ganz aufging. Sehr verwunderlich für mich, dass ausgerechnet eine Frau fehlte und somit ein Mann immer aussetzen musste. Umgekehrt hätte ich mir das viel eher vorstellen können.

 

Ich wollte mich schon freiwillig dazu melden, dass ich nichts gegen ein Daueraussetzen hätte, als die Tanzlehrerin entschied, dass wir untereinander unsere Tanzpartner tauschen.

Meine Freundin hatte nichts dagegen, mich vier Frauen weiter nach links abzuschieben, somit fügte ich mich dem und tat, wie uns geheißen war. Man hätte nämlich genauso gut seinen Tanzpartner eng umschlingen können als Signal, dass man nicht zum Tausch bereit war.

 

Und dann lernten wir die Grundschritte der Standardtänze Walzer und Discofox, nachdem wir schon zum Start für die Kennenlernphase einen Merengueschritt gelernt hatten. Immer wieder mussten wir Männer zu neuen Tanzpartnerinnen aufrücken, sodass ich vier neue Tanzpartnerinnen in dem Kurs kennenlernte und mit ihnen tanzte, oder das tat, was meine Beine fabrizierten.

 

Das Beruhigende war für mich, dass meine Tanzpartnerinnen alle nicht besser tanzen konnten als ich. Somit fielen meine Nervosität und selbst die Eifersucht von mir herab, dass andere Männer mit meiner Freundin tanzten und ich fing an, mich mit den Tanzpartnerinnen zu unterhalten. Unterhalten, nicht flirten. Ich war einfach neugierig, was diese so machten, woher sie kamen und was sie zum Tanzen bewegt hatte.

Und die große Show der Blamage blieb auch hinter meinen Erwartungen zurück. Lediglich mit einer Tanzpartnerin harmonierte es kurzzeitig gar nicht, sodass die Tanzlehrerin eingreifen und uns beide in Schwung bringen musste. Aber ob das jemand so genau mitbekam, bezweifle ich, da jeder selbst auf die Tänze konzentriert war. Zumindest rede ich es mir so schön. Ich kann jedenfalls sagen, dass es mir Spaß gemacht hat und ich mich auf die weiteren Tanzstunden freue. Und wer weiß, vielleicht steckt in mir ja der unglaubliche Tänzer, von dem ich einst immer geprahlt habe und nicht der schlechteste Tänzer 2013?

 

 

© Markus Gerbl, 2013