Übung macht den Tänzer Vol.2

Während der Winterzeit war ich natürlich nicht in den Winterschlaf verfallen und ging weiterhin zum wöchentlichen Tanzkurs, mittlerweile schon in den Kurs für Fortgeschrittene. Meine Leistungen waren im letztem Jahr überraschender Weise doch nicht so schlecht, wie ich erst prophezeite, und meine Freundin auch nicht abgeneigt, mich weiterhin als Tanzpartner zu erdulden. Ich kann mir die Tanzschritte der einzelnen Tänze gut merken, kann meine Freundin und Tanzpartnerin führen und bin im Allgemeinen selbstsicherer geworden.

Aber wie gut es auch laufen mag, einige kleine Fehlerteufel bleiben hartnäckig auf mir und meinen Gelenken sitzen:

 

Fehlerteufel Nr.1 – Zählzeit Eins:

 

Bis vor kurzem dachte ich noch, meine Freundin würde sich nur aufregen, wenn ich ihr ohne jegliches Taktgefühl gegenüber stehe. Das ich beim Tanzen kein Gefühl für Takte aufweise, regt sie mindestens genauso auf. Dabei bemühe ich mich sehr, immer die Zählzeit Eins, also den ersten Schlag im Takt herauszuhören. Ich kehre in mich und lasse die Melodie auf mich wirken. Gelegentlich nicke ich mit dem Kopf mit, was beim Tanzen selbst fürchterlich aussieht, laut Definition meiner Freundin. Und trotzdem scheitert oft die Rhythmusübertragung in die Beine. Die machen lieber was sie wollen, anstatt ordentlich nach Rhythmus und Takt den Tanz zu führen.

 

Fehlerteufel Nr.2 – Tanzwechsel:

 

Große Schwierigkeiten habe ich auch nach einem Tanzwechsel. Das Umschalten von zum Beispiel dem Disco Fox in den Wiener Walzer braucht bei mir recht lange. Beim Disco Fox muss ich als Mann immer mit dem linken Fuß anfangen, beim Wiener Walzer abwechselnd mit dem rechten, dann mit dem linken Fuß. Wenn die Tanzlehrerin diese beiden Tänze hintereinander von uns sehen möchte, verhasple ich mich völlig. Ich versage als Tanzführer, spanne die Nerven meiner Freundin an und wünsche in solchen Momenten die Zeit zurück, als ich in der Disco als „Eckenstecher“ (Randstehende in der Disco) nur willkürlich mit den Beinen wippte und dazu mit dem Kopf nickte.

 

Fehlerteufel Nr.3 – Steif wie ein Stock:

 

Und als Letztes kommt noch hinzu: ich bin von Gott aus sehr unelastischem Material geformt worden. Sprich: ich tanze wie ein Stock. Wobei ich einschränkend sagen muss, dass ich im Kopfbereich und an den Armen doch zu unrhythmisch schlackere, was ich allerdings nicht sollte. Meine Beine dagegen stampfen, als wollten sie die Tanzfläche eintreten. Zum Leid meiner Freundin, wenn mir einer ihrer Füße in die Quere kommt.

Bisher sind leider alle Versuche seitens der Tanzlehrerin gescheitert aus mir einen agilen Tänzer zu machen.

 

Trotzdem gebe ich nicht auf und übe fleißig weiter, denn ich habe keineswegs die Hoffnung aufgegeben, doch noch ein toller Tänzer zu werden. Und Spaß macht das Tanzen mir ja auch.

 


© Markus Gerbl, 2017 (erste Veröffentlichung, 2014)