Kein Vorsatz ist auch ein guter Vorsatz

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Ein neues Jahr steht kurz vor der Tür und wie es so Brauch ist, setzt man sich seine guten Vorsätze. „Ich höre mit dem Rauchen auf!“, sagen die einen, „Ich betrüge meine Frau nicht mehr!“, sagen die anderen. Natürlich muss man beim zweiten Beispiel beachten, dass statt „Frau“ da auch genauso gut „Mann“ stehen könnte. Sind nicht nur immer die Männer, die solche Dinge tun.
Gute Vorsätze. Wer von Ihnen hat sie nicht schon mindestens einmal mit dem Glas Sekt in der Hand oder dem Orangensaft zum Jahreswechsel in den farbenprächtigen Himmel geschworen oder gedacht, und wenige Tage später dann doch wieder gebrochen? Eben. Ich möchte niemanden dazu aufrufen, sich dazu zu äußern und auch niemanden kritisieren. Es passiert einfach. Einige hatten ordentlich einen sitzen, als sie sich ihre guten Vorsätze festlegten, die können es auf den Alkohol schieben. Die anderen finden auch einen plausiblen Grund, den gibt es nämlich immer. Braucht sich keiner dafür zu schämen. Nicht vor mir. Ich war nie besser.

Jedes Jahr hatte ich mir gute Vorsätze wie:
"Trinke weniger Alkohol!"
"Mache mehr Sport!"
"Gefährde dein Leben nicht mit irgendwelchem Leichtsinn!"
"Mache keinen Mist mit Feuerwerkskörpern!", zur Erfüllung gegeben und war daran immer gescheitert. Gerade Vorsatz Nummer vier hielt bei mir immer ziemlich lange, um genau zu sagen… fünf Minuten. Zum Startpunkt des neuen Jahres geschworen, und als ich mit meinen Kumpels die ersten Raketen anzündete, wieder gebrochen. Man lässt sich ja unter Alkohol mal gerne zu etwas überreden. Raketen aus der Hand abfeuern und Schlimmeres. Man will cool sein.
Mit dieser „Coolness“ war dann Vorsatz Nummer drei auch gegessen. Weil dieses Verhalten leichtsinnig und lebensgefährlich war und auch heute noch ist. Im nüchternem Zustand wusste ich das eigentlich auch und rate jedem davon ab, dies zu tun. Im nüchternem Zustand.

Dann blieben noch zwei gute Vorsätze übrig, und es war gerade mal Neujahr. Der Weihnachtsbaum stand noch in der Ecke wie eine Trauerweide und ich hatte noch nicht einmal geschafft alle Dankeschön-Grußkarten für die Weihnachtsgeschenke, die ich bekam, an meine diversen Verwandten zu verschicken. Nun gut, Nummer zwei konnte ich nicht erfüllen. Wieso ich mir den regelmäßig stellte, keine Ahnung. Der Alkohol war schuld. Ich machte genug Sport und mehr ging nicht. Ich spielte sehr lange im Fußballverein und seit einiger Zeit klettere ich regelmäßig indoor. Ich hätte schon meine Moderation beim Radio aufgeben und irgendeinen Spitzensport beitreten müssen, um diesen Vorsatz wirklich zu erfüllen. Also kurz gesagt: Ein Vorsatz für die Katz.
Einzig und alleine an Vorsatz Nummer eins schaffte ich es, mich daran zu halten. Ein paar Wochen, bis die großen Straßenumzüge der Fastnacht Einzug hielten im Badener Land, aber immerhin. Eine kleine Anerkennung gab ich mir dafür schon. Natürlich musste ich im Gesamtbild jedes Jahr feststellen, dass ich kläglich gescheitert war, meine guten Vorsätze einzuhalten.

Dieses Jahr habe ich mir gedacht: „Scrag, so kann das nicht weitergehen. Jedes Jahr stellst du viel zu hohe Ansprüche an dich, die du einfach von deiner Natur aus nicht erfüllen kannst. Denk doch mal anders. Überlege dir etwas, was du mit Sicherheit erfüllen kannst.“
Und das tat ich. Mein Vorsatz für 2014:

"Kein Vorsatz ist auch ein guter Vorsatz!"

 

Gruß, Scrag

 


© Markus Gerbl, 2013