Das Buch: "101 Dinge, die man getan haben sollte, bevor das Leben vorbei ist"

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Letztes Jahr bekam ich von meinem Freund Alex ein Buch geschenkt, mit dem Titel: "101 Dinge, die man getan haben sollte, bevor das Leben vorbei ist", von Richard Horne. Schon der Titel machte mich ganz neugierig und ich riss das letzte Stück Geschenkpapier herunter, um den Klappentext zu sehen. Ich zitiere:

"Hast du schon mal…
… eine Kuh gemolken?
… einen Rekord fürs Guinness Buch aufgestellt?
… in einem Flugzeug Sex gehabt?
101 Dinge, die man getan haben sollte, bevor das Leben vorbei ist: das definitive Handbuch für all die Abenteuer, die da draußen noch auf dich warten.
"

Auf mich?, dachte ich sofort und blätterte hinein.
Die ersten Seiten enthielten Erklärungen über das Buch und was ich für die Abenteuer so alles brauchen würde. Ich überflog das Ganze recht schnell und blätterte weiter. Jetzt wurde es interessant.
Wichtige Informationen, stach in mein Auge. Um welche Informationen es sich da handelte, möchte ich Ihnen hier zitieren:

"WARNUNG: DIE 101 DINGE, DIE MAN GETAN HABEN SOLLTE, BEVOR DAS LEBEN VORBEI IST, TUST DU AUF EIGENE GEFAHR."

Scheinen gefährliche Dinge zu sein, schoss es mir durch den Kopf. Genau das Richtige für mich.
Ich bin ein absoluter Adrenalinjunkie, der gerne Sachen wie Bungee-Jumping, Achterbahnfahren, Klettern mit Seil oder auch mal ohne, von einer hohen Klippe ins Meer springen, usw. unternimmt. Den Kick erleben, wie man das auch gerne im Slang ausdrückt.

Ich zitiere weiter:

"[…] AUTOR UND VERLAG ÜBERNEHMEN KEINE VERANTWORTUNG FÜR UNFÄLLE ODER VERLETZUNGEN, DIE GESCHEHEN, WÄHREND DU VERSUCHST, DIE 101 DINGE, DIE MAN GETAN HABEN SOLLTE, BEVOR DAS LEBEN VORBEI IST, ZU BEWÄLTIGEN.

ICH AKZEPTIERE DIE GESCHÄFTSBEDINGUNGEN.
"

Darunter ein Feld zum Unterschreiben.
Klar, dass ich mit den Bedingungen sofort einverstanden war. So schnell wie an dieser Stelle hatte ich im Leben noch nie etwas unterschrieben. Meist bin ich sehr misstrauisch bei Geschäftsbedingungen. Aber bei dieser fehlte auch das Kleingedruckte, was mir das Unterschreiben erleichterte.

Auf der nächsten Seite war ich nun bei den 101 Dingen.
Ich suchte mir aus den teils schrägen, teils leicht machbaren und den teils gefährlichen und ziemlich kriminellen Anforderungen, die für mich Auffälligsten heraus und fing an sie genauer zu betrachten. Bei der Ersten hieß es: "Fange einen Fisch mit bloßen Händen."
Zählen Kaulquappen, die ich liebend gerne als Kind gefangen und wieder freigelassen habe, auch zu Fischen? Wahrscheinlich nicht, sonst wäre diese Aufgabe wirklich leicht. Dann fiel mir plötzlich ein, dass ich vor einigen Jahren mit meinen Großeltern einen Japanischen Garten besucht habe, in dem man Fische streicheln und kurz aus dem Wasser nehmen konnte, solange man sie mit Fressen bestochen hatte. Die Aufgabe war für mich erfüllt und ich klebte einen von den Sternen oben rechts in das vorgesehene Feld, die sich ganz hinten im Buch befanden.

Die nächste Aufgabe hatte ich auch schon bereits gelöst: "Schmeiß eine Party, wenn deine Eltern nicht da sind."
Das war an meinem 17. Geburtstag. Meine Eltern machten Urlaub in Griechenland, meine Schwester war auch außer Haus und so lud ich all meine Freunde zu mir ein. Ach was hatten wir gesoffen und gefeiert, herumgealbert und gelacht. Nur hatte ich die Rechnung ohne meinen Nachbarn gemacht, die, als meine Eltern wieder aus dem Urlaub kamen, ihnen alles erzählten, was sie so mitbekommen hatten. Oh Mann, daraufhin kürzten mich meine Eltern quasi um einen halben Kopf.

Nun kam eine schwere Sache: "Lern fliegen."
Ich hatte mir vor vier Jahren einen Flugsimulator für meinen PC geholt und daraus eine sehr ernüchternde Erkenntnis gewonnen: Fliegen kann ich nicht. Ich hatte es nicht einmal geschafft, den einfachsten, motorisierten Lenkdrachen zum Abheben zu bekommen. Immer wieder war ich am Ende der Landebahn an einem Hügel zerschellt. Irgendwann pfefferte ich den Simulator in die Ecke und gut war es.
Diese Aufgabe werde ich nicht erfüllen können.

Und noch eine Aufgabe verlockte mich: "Nimm Rache."
Mir fielen sofort einige Personen ein, die ich gedanklich ins Exil auf den Mond verbannt hatte. Ex-Freudinnen, die mich betrogen hatten, mein ehemaliger Vermieter, der mich auch betrogen hatte, aber in ganz anderen Dingen wie Nebenkosten, nicht das Sie es falsch verstehen, und Feindschaften aus meiner Schulzeit. Doch mein Gewissen meldete sich sofort:
Bist du schon so tief gesunken, dass du dir Gedanken ums Rachenehmen machst? Ach komm, die sollen im Exil auf dem Mond bleiben, das hast du nicht nötig. Ich hörte auf mein Gewissen und klappte das Buch erst einmal zu.
Für eine Stunde, länger hielt ich es nicht aus. Ich wollte unbedingt eine dieser 101 Dinge, die ich noch nicht erfüllt hatte, erfüllen. Ich nahm eine Spraydose, suchte mir eine Wand und sprühte los.

Liebe Leser, dieses Buch ist zwar humorvoll gestaltet, sowohl textlich als auch sprachlich und als Geschenk zu empfehlen, jedoch sollten Sie nicht diese 101 Dinge aus dem Buch erfüllen. Teilweise sind die Sachen wirklich kriminell und Sie würden in den Knast wandern.
Und für alle, die jetzt das Bedenken haben, ich hätte illegal gesprüht, sowie es im Buch vorgeschrieben war: ich kann Sie beruhigen. Mein Kunstwerk hinterließ ich an einer erlaubten Stelle, in einer Unterführung.

 

 

Gruß, Scrag

 


© Markus Gerbl, 2013