Drei Trends, die (leider) nicht an mir vorübergingen (1)

5. Beitrag

In meinem heutigen Beitrag geht es um Trends aus meiner Kindheit und Jugend, die ich aus Gruppenzwang, Zugehörigkeit und aus Spaß an der Sache mitmachte und worüber ich heute nur den Kopf schütteln könnte. Trends, die meinen Horizont nicht erweiterten, dennoch mein Leben auf eine gewisse Art bereicherten. Ich fang mal an:

Pokémon

Sicher kennt mittlerweile fast jeder diese gezeichneten Fantasiewesen (Taschenmonster), die ursprünglich vom Japaner Satoshi Tajiri und der aus dem gleichen Land stammenden Spielesoftwarefirma „GAME FREAK Inc.“ für ein Gameboy Spiel erfunden und entwickelt wurden. In diesem Spiel ging es grob geschildert darum, als kleiner Junge in die Welt der Pokémon (Kanto) hinauszuziehen, verschiedene Pokémon mit sogenannten Pokébällen zu fangen, sie zu trainieren, damit sie immer stärker werden, gegen andere Trainer zu kämpfen und sie zu besiegen, insbesondere die acht Arenenleiter, und der große Champion über die Pokémonwelt zu werden. Aber bei diesen Pokémon-Spielen blieb es nicht. Es entstand eine scheinbar unendliche Fernsehserie, Pokémon-Sammelkarten, Pokémon-Figuren, Pokémon-Plüschtiere usw. In kürzester Zeit fasste der Trend aus Japan auch in Deutschland Fuß und es gab in meinem männlichen Freundeskreis niemanden mehr, der nicht irgendwas von Pokémon hatte, außer mir selbst.
Ich kann mich noch erinnern, wie sehr sich meine Eltern gewehrt hatten, mir diesen, nach ihren Worten „größten Blödsinn“ zu kaufen und ich mächtig auf die Barrikaden gegangen war, nur damit ich genauso in meinem Freundeskreis mitreden und prahlen konnte. Nach langer Diskussion entschieden sich meine Eltern dafür, dass ich mir die Pokémon-Utensilien vom Taschengeld kaufen durfte. Das machte ich auch prompt und über zwei Jahre lang. Am Ende hatte ich eine riesengroße Sammlung an Pokémon-Sammelkarten, zwei Pokémon-Spiele für den Gameboy und Pikachu als Plüschtier auszuweisen. Fragt aber besser nicht, wie viel Taschengeld ich in diesen Trend gesteckt hatte. Eine dreistellige Unsumme war es, dennoch war dies nicht das Schmerzhafteste an der Sache: Wie jeder weiß, verpufft ein Trend nach einer gewissen Zeit wieder. So auch der Pokémon-Trend. Kaum einer aus meinem Freundeskreis sprach noch darüber. Prahlen konnte man sowieso nicht mehr damit und alles, was man von Pokémon hatte, war wie wertlos. Über dreihundert Euro Taschengeld sind quasi versandet. Hätte ich doch damals nur auf meine Eltern gehört, dann wäre mir das erspart geblieben.

Gummitwist

Ein weiterer Trend, der aber nun mehr die Mädchen in meiner Grundschulzeit befallen hatte, ist das Gummitwist. Der Name bildet sich aus dem Spielgerät: Hosengummi und dem Modetanz „Twist“, zu Deutsch „Drehung“. Gespielt wurde es nach meiner Erinnerung so: Zwei Personen spannten ein langes Gummiband zwischen ihren Fußknöcheln, worüber dann nach Herzenslust gehüpft, gesprungen und gestolpert wurde. Ein Rhythmus ist mir dabei in meinen Erinnerungen geblieben:

Seite, Seite, Mitte, Breite,
Seite, Seite, Mitte, Raus.


Ich spielte das Spiel sehr ungerne, dennoch war ich immer wieder einer derjenigen, der half, das Gummiband zu spannen. Das lag an einem Grund: Ich wollte ein Kavalier sein für die Mädchen, die meist über das Gummiband sprangen. Jaja, ich war damals schon ein kleiner Casanova.
Mit zunehmendem Alter verlor das Spiel an Bedeutung für mich und bevor ich in die Realschule kam, interessierte ich mich nicht mehr für Gummitwist, wieso auch, ich konnte die Mädels nun mit anderen Dingen beeindrucken. Fakt ist: Gummitwist hatte ich nur gespielt, um an die Mädels heranzukommen. Ob die Teilnahme an einem Hüpfspiel dafür die beste Methode war... nun ja.

Furby

Und nun komme ich zu meinem schlimmsten Todsünden-Trend: Furby. Ein elektronisches Plüschtier, das für mich vom Aussehen einer Eule ähnelte. Es war mit Sensoren ausgestattet, mit denen es die Umgebung wahrnehmen konnte. Es besaß ein Vokabular von etwa 800 deutschen Wörtern und 200 furbischen. Ich konnte es kitzeln, streicheln, füttern und ich weiß nicht mehr was sonst noch. Was ich aber noch genau weiß: es nervte und wie. Sobald ich es einschaltete, kamen dauernd irgendwelche Worte oder Reaktionen, es sang plötzlich los, tanzte oder quasselte irgendwelches Zeug, was ich heute nicht mehr in Erinnerung habe oder wurde auch krank. Man, ich hatte es sehr schnell bereut, dieses Viech gewollt zu haben. Nach schon drei Woche schaltete ich es für immer aus, brachte es in den Keller und einige Monate später verkaufte ich es auf dem Flohmarkt.
Hier war ich regelrecht auf den Trend reingefallen und wie viele andere, die ich kannte, zuerst in Begeisterung über dieses Plüschtier, die aber schnell wieder verflog.

Soviel zu den Trends, die (leider) nicht an mir vorübergingen. Der zweite Teil dieses Beitrags mit dem Titel: "Drei Trends, die (gottseidank) an mir vorübergingen" kommt in Kürze.

 

 

Gruß, Scrag

 

 

© Markus Gerbl, 2013