Drei Trends, die (Gott sei Dank) an mir vorübergingen (2)

6. Beitrag

Wie versprochen kommt heute der zweite Teil des Beitrags über Trends aus meiner Kindheit und Jugend, die allerdings an mir vorübergingen und bei denen ich nur stiller Beobachter war.

 

Tamagotchi

 

Dem ein oder andere von Ihnen dürften sicher noch die, in einem gameboyähnlichen Gerät eingesperrten „Haustiere“ bekannt vorkommen, die anfangs aus einem Ei schlüpfen, um danach den Besitzer zu terrorisieren. Zu verschiedenen Zeiten, beispielsweise wenn man in der Badewanne liegt, auf der Toilette sein Geschäft verrichtet oder seinen wohlverdienten Schlaf einnimmt, verlangt dieses „Haustier“, da die Entwickler so freundlich waren, ihm Bedürfnisse zu geben, nach Essen, Trinken, Schlaf und Zuneigung und entwickelt dadurch seine eigene Persönlichkeit. Werden seine Bedürfnisse missachtet, stirbt das Wesen. Dennoch kann es durch eine an dem Gerät angebrachte Reset-Taste wiederbelebt werden und der Horror geht von vorne los.

Das Ganze nennt sich Tamagotchi und ist, wie der Name schon verrät, von der Firma Bandai in Japan erfunden und entwickelt worden. Schnell schwappte der Trend nach Europa und machte auch nicht vor Deutschland halt. Das einzig Gute an diesem Trend war seine Kurzlebigkeit. Schon nach Monaten ebbte der Rausch nach diesen Geräten ab.

Ich selbst kenn Tamagotchi aus Erzählungen von einem Freund, der eines mit einer Schildkröte besaß, die ihn irgendwann so nervte, dass er das Gerät mehrmals gegen die Wand warf, bis die Schildkröte keinen Mucks mehr von sich gab.

Übrigens: wörtlich übersetzt bedeutet Tamagotchi so viel wie Eier-Uhr.

 

Jo-Jo

 

Ein Trend, der seit Ende des 18. Jahrhunderts immer mal wieder auf- und abebbte, ist das Jo-Jo. Ich allerdings erlebte nur den letzten Trend in Deutschland in meiner späten Grundschulzeit, bis in die Anfänge meiner Realschulzeit und besaß selbst nie ein Jo-Jo. Wollte ich auch nicht. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie zwei in der Mitte mit einem Steg verbundenen Plastikscheiben, die mit Hilfe einer auf dem Steg verlaufenden Schnur nach unten und wieder nach oben bewegt werden, jemanden Spaß machen konnte. Vor allem so vielen aus meiner Klasse und meiner Nachbarschaft? Ich finde Jo-Jos bis heute schrecklich langweilig und kann auch den schwierigsten Kunststücken, die man mit diesen Dingern fertig bringen kann, keine Freude und Bewunderung abgewinnen. Ein Trend, der mich kalt ließ.

 

Diddl

 

Wenn ich als Mädchen geboren worden wäre, hätten mich die kitschigen Springmäuse mit den viel zu groß geratenen Füßen und Ohren vielleicht begeistert. Aber dank Y-Chromosoms war ich alles andere als entzückt. Die Rede ist von Diddl, eine durch den Zeichner Thomas Goletz im Jahre 1990 entworfene und ins Leben gerufene Cartoonfigur, die ihren Erfolg über den Verkauf von Kitschprodukten wie Diddl-Blöcken, deren verschiedene Blätter von Diddl-Fans bis heute teils ordnerweise gesammelt und getauscht werden, Diddl-Plüschtiere, Diddl-Tassen, Diddl-Stifte, Diddl-Schulranzen, Diddl-Bettwäsche, Diddl-Badeschaum, Diddl-Spiele, Diddl-Süßigkeiten, etc. erlangte. Bei dieser Auswahl stellt sich mir die Frage, welche Gegenstände noch nicht von Diddl missbraucht worden sind.

Das Schlimme an der Sache: das Ganze hat einen bombastischen Erfolg, der bis heute noch anhält und dem Unternehmen schon eine dreistellige Millionensumme einheimste. Mittlerweile hat diese unnatürliche Springmaus sogar ein eigenes „Käseblatt“, was regelmäßig erscheint, in dem noch andere zwielichtige Gestalten wie Hampfdiddl Bogart oder Professor Diddldaddl Blubberpeng vorkommen. Unglaublich, wie man auf solch schräge Namen kommt.

 

 

Mein Fazit nach einigen Jahren Trends, ob nun aktiv oder passiv miterlebt: es wird immer ein großer Wirbel um eine (neue) Sache gemacht, mit dem so viele Menschen wie möglich zum Kauf dieses Produkts oder der Produktkette gelockt werden. Durch Mundpropaganda, Werbung und persönlichen Kontakt untereinander wird ein Dominoeffekt ausgelöst, der dem Trend die nötige Basis des Erfolges gibt. Dennoch hält ein Trend meist nur eine bestimmte Zeit, bevor er wieder abebbt, weil das Interesse der Menschen an dem Produkt nachlässt. Ein Grund könnte zum Beispiel ein neues Produkt sein, welches das aktuelle Trend-Produkt übertrumpft.

 

 

Gruß, Scrag

 

 

© Markus Gerbl, 2013