Cyborgs - Science-Fiction wird zur Realität

Vor einigen Tagen bin ich beim Zappen im Fernsehen auf einen Bericht gestoßen, bei dem es um Cyborg-Insekten ging. Einen Moment dachte ich, es handle sich um irgendwelche Computeranimationen für oder aus einem Science-Fiction-Film und erinnerte mich als bekennender Fan der Star Wars Reihe sofort an General Grievous.
General Grievous ist zwar kein Cyborg-Insekt, dennoch besteht er, nach einer lebensrettenden Verunstaltung, nur noch aus ein paar lebenswichtigen Organen wie der Wirbelsäule, dem Herz, der Lunge und dem Gehirn. Der Rest seines Körpers ist aus technischem Material wie keramischem Panzerplast und Duranium neu geformt worden.

Aber mein erster Gedanke täuschte mich. Hier ging es wirklich um von Menschenhand erschaffene Cyborg-Insekten. Besser gesagt, um Cyborg-Kakerlaken. Sie sollen in Zukunft als lebendige Drohnen bei Katastrophen oder auch als Spione dienen.

Am nächsten Tag machte ich mich im Internet sofort schlau. Ich wollte einfach nicht glauben, was ich tags zuvor in diesem Fernsehbericht gesehen hatte, doch prompt stieß ich auf eine Menge Artikel in verschiedenen Zeitungen, die den Bericht bestätigten. Leider.

Ich habe im Großen und Ganzen nichts gegen rein technische Drohnen oder das Trainieren von Tieren, wie beispielsweise Lawinen- oder Drogenspürhunde, die in Katastrophengebieten Leben retten und bei der Bekämpfung krimineller Aktivitäten helfen können. Letzteres geschieht unter weitgehend artgerechten Bedingungen für das Tier. Aber Kakerlaken einen Mikrochip auf den Rücken zu schnallen, durch den Stromimpulse an die verdrahteten Fühler des Tierchens geschickt werden können, um so die Kontrolle über das Lebewesen zu erlangen – es per Smartphone-App fernzusteuern – geht mir entschieden zu weit. Das ist Tierquälerei.
Und daran rütteln auch Argumentationen wie:
Das sind ja eh nur eklige Kakerlaken. Die haben es gar nicht anders verdient,
oder:
Schmerzrezeptoren, wie sie Wirbeltiere haben, besitzen Kakerlaken nicht,
nichts an meiner Meinung.

Am liebsten hätte ich hier schon einen Punkt gemacht, gäbe es nicht sogar schon eine amerikanische Firma namens "Backyard Braine", die den benötigten Bausatz für die Cyborg-Kakerlake unter dem Namen "RoboRoach" vertreibt. Kostenpunkt 99.99 Dollar.

Kopfschüttelnd muss ich für mich mal wieder erkennen, dass ich manchem Menschen eine Wiedergeburt als Kakerlake von ganzem Herzen gönne. Mit der Hoffnung, dass er dann auch so einen Mikrochip unfreiwillig platziert bekommt.

 

 

© Markus Gerbl, 2015

 


Nachwort:

Weitere Informationen in einem längeren Bericht eines Selbstversuches in der FAZ: KLICK