Fässer ohne Boden

Bis vor einigen Tagen dachte ich noch: maroder als die Ausrüstung unserer Bundeswehr oder die Eisenbahnbrücken, um auf meinen letzten Beitrag zurückzukommen, kann es nicht mehr werden. Zumindest hatte ich nicht auf dem Schirm, dass in unserem Streikjahr 2014 auch noch die Atommüllfässer ihre Arbeit niederlegen. Das betrifft nach heutigen Kenntnissen 17 Standorte deutschlandweit. Alleine im größten oberirdischen Zwischenlager in Karlsruhe wird von rund 1700 maroden Fässern gesprochen.

 

Gut, ich kann die Atommüllfässer auch verstehen, wurde ihnen doch versprochen, dass sie nur vorübergehend übereinandergestapelt in teils feuchten Räumen gelagert werden, bis es eine schnelle Endlösung für ihren radioaktiven Inhalt gibt.

 

Die Realität sieht heute aber anders aus. Unter dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ wurden die Fässer über die Jahre dem Rost zum Fraß vorgeworfen. Manch ein Fass ist löchriger als der berühmte Schweizer Käse und gibt seinen Inhalt, wie etwa im 2007 stillgelegtem Kernkraftwerk Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) frei. Dort bedeckt in Kaverne II eine breiige Masse mit radioaktivem Cäsium 137 den Betonboden. Immer noch beruhigend für viele der Verantwortlichen. Solange die meterdicken Betonriegel um die Kaverne existieren, dringt keine gefährliche Strahlendosis nach außen.

 

Ein anderes Beispiel liefert die Endlagerungsstätte für den Atommüll im Salzbergwerk Asse II. 126.000 Fässer lagern dort unter den ungünstigsten Bedingungen, die man hätte wählen können. Zum einen begünstigen die salzige Atmosphäre und vor allem auch die Salzlauge, die durchs Eindringen von Wasser entsteht, das Rosten der Fässer, zum anderen ist der Berg, in dem sich der Stollen befindet, in ständiger Bewegung und bewirkt, dass das Wasser bzw. die Salzlauge in Zukunft womöglich nicht mehr abgepumpt werden kann. Schon jetzt gilt der Stollen im Salzbergwerk Asse II als einsturzgefährdet und durchbricht den Plan, die Atommüllfässer darin einzubetonieren. Faktoren, die man hätte voraussehen müssen.

 

Das ist Schlamperei an allen Ecken und Enden. Und das Schlimmste: es wird uns vorgegaukelt, es sei alles in bester Ordnung. Auch jetzt noch mit Aussagen wie der überwiegende Teil der Atommüllfässer sei im guten Zustand. Was die „Grünen“ da wieder unter den Tisch schnäbeln.

 

Fakt für mich ist: Für den Super-Gau muss man nicht erst bis nach Japan reisen. Es reicht der Blick hinter die Kulissen unserer Atompolitik.

 

 

© Markus Gerbl, 2014