"Fack ju Göhte" oder meine Erfahrungen des Schulalltags

Vor wenigen Tagen wurde ich überredet, mit Freunden in den deutschen Kinofilm „Fack ju Göhte“ zu gehen. Naja, vielleicht nicht ganz überredet, eine gewisse Neugier hatte ich schon, wieso dieser Film so viele Besucher in die deutschen Kinos lockt. Also zahlte ich den recht teuren Eintrittspreis von acht Euro, sowie zusätzlich die horrende Summe von fast elf Euro für das Lunch-Paket – bestehend aus einem Liter Cola und einer großen Portion Popcorn – und setzte mich mit den anderen in die Loge. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Im Film „Fack ju Göhte“ selbst wird auf teils sehr übertriebene Art und Weise das Verhalten Jugendlicher an deutschen Gesamtschulen parodiert. Das Ganze wird verbunden mit einer Story um den Bankräuber Zeki Müller (Elyas M’Barek), der nach einigen Monaten Haft aus dem Gefängnis entlassen wurde und nun nach der vergrabenen Beute sucht, um Schulden zu begleichen. Dummerweise steht ihm nun, da seine Freundin einen ungünstigen Ort für die Beute auswählte, die Turnhalle einer Gesamtschule im Weg. Um die Beute nun nachts heimlich zu bergen, erschleicht sich Zeki Müller als neu eingestellter „Lehrer“ das Vertrauen seiner Kollegen, der extrem verhaltensauffälligen Schüler der Klasse 10b und schließlich auch das der Referendarin Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth), mit der er im Laufe des Filmes eine Beziehung eingeht. Doch als Lisi Zekis Plan durchschaut, beendet sie die Beziehung. Natürlich, wie bei einer deutschen Kinokomödie nicht anders zu erwarten, kommt es nach einem heißen Showdown zum langersehnten Happy-End.

Aber verhalten sich Jugendliche wirklich so extrem daneben, wie es der Film darstellt, pöbeln Lehrer und Mitschüler, drücken sich ordinär aus und machen sich nichts aus ihrer Zukunft? Oder ist das reines Klischeedenken?

Ich kann da nur aus meinen eigenen Erfahrungen heraus sprechen, die ich in meiner noch nicht so weit zurückliegenden Schulzeit gemacht habe bzw. werde ich mal nicht mit den Finger auf andere zeigen sondern stichwortartig von meinen eigenen Sünden berichten:

• 11 Klassenbucheinträge wegen diverser Störungen des Unterrichts. Die zahllosen Bemerkungen sind da noch nicht mit aufgeführt.
• Drei angezettelte Schlägereien und diverse Beteiligung an solchen für die Imagepflege. Ich wollte schließlich zu den „Coolen-Jungs“ an der Schule gehören.
• Klassenclown tagein, tagaus.
• Oftmals eine Lernbegeisterung, die leider nicht über den Rand meines Schultisches reichte. Die daraus resultierenden Noten erklärten alles.
• Meine Kunst stellte die Schule unfreiwillig aus, es fehlte oft das nötige Geld für die Entfernung.
• Zwei Lehrerkonferenzen mit mir als Hauptthema.

Aber trotzdem ist noch etwas aus mir geworden, weil ich vorm Schulabschluss gerade noch so die Kurve bekommen habe. Ich bin nicht glücklich darüber, wie ich mich früher in meiner Schulzeit verhalten habe, und auch nicht, wie sich ein paar meiner Mitschüler verhielten, die sich teils noch schlimmer aufführten als ich (jetzt zeige ich doch wieder mit dem Finger auf die anderen), dennoch ist meine Erfahrung, dass der größte Anteil der Schüler an den deutschen Schulen pflichtbewusst dem Lernen nachgeht und nicht irgendwelchen Unsinn treibt, der sie selbst und auch andere schädigt. Aber wie so oft ziehen ein paar Chaoten einige Mitschüler und den Gesamtruf einer Schule in den Abgrund.
Wie es jetzt an sozialen Brennpunkten aussieht, mal abgesehen von dem negativen Bild, was mir durch Medien übermittelt wird, das nicht weit von der Filmdarstellung entfernt liegt, kann ich nicht genau sagen. Ich selbst war nur auf einer Realschule im Ländlichen.

Wie auch immer die Realität aussieht, der Film übertreibt es mit der Darstellung des Schulalltages. Oder welcher Lehrer schießt schon mit einem Paintball-Gewehr auf seine Schüler, um sie zu disziplinieren? Der Film „Fack ju Göhte“ hat mir persönlich jedenfalls Freude gemacht, anzuschauen.

 

 

© Markus Gerbl, 2014

 


Nachwort:

Diesen Beitrag schrieb ich für die Jugendkolumne: keineJugend.de