FKK (Freie-Körper-Kolumne)

Letzten Freitag war ich mit meiner Freundin im Seepark in Freiburg, um dem guten Wetter gerecht zu werden. Auf der Suche nach einem Liegeplatz, was an diesem Tag ein großes Problem war, weil gefühlt ganz Freiburg sich im Seepark aufhielt, blieben uns einige mehr oder weniger ästhetische Anblicke nackter Körper nicht erspart.   


Das FKK-Baden (, FKK ist die Abkürzung von: Freikörperkultur,) ist auch in diesem Sommer für einige Personen unter uns wieder ein absolutes Muss. Aber woher kommt dieser Trend zum Nacktsein?

Bis ins 18. Jahrhundert badeten die Menschen in weiten Teilen Mitteleuropas, meist nach Geschlechtern getrennt, in Flüssen und Seen nackt, bevor es im späten 18 Jahrhundert größtenteils tabuisiert wurde. Es dauerte bis Anfang des 20. Jahrhunderts, bevor sich die ersten FKK-Vereine in Deutschland bildeten und das nackte Sonnenbaden, auch genannt Schwedisch-Baden, sich an der Nord- und Ostsee verbreitete. 1920 entstand dann der erste offizielle Nacktbadestrand auf Sylt.
Während sich in der DDR das Nacktbaden teilweise etablierte, wurde die Bewegung der Freikörperkultur in der BRD immer wieder demonstrativ abgelehnt, seit den 80er-Jahren jedoch in beiden deutschen Staaten zunehmend toleriert und enttabuisiert. Durch diese neue Freiheit verloren die FKK-Vereine etwa zwei Drittel ihrer Mitglieder.
Heute verzeichnen die deutschen FKK-Vereine etwa 45.000 Mitglieder, wobei schätzungsweise sieben Millionen Deutsche zu den Anhängern des Nacktbadens zählen. Viele Veranstaltungen für Nudisten, von Konzerten über Sportereignisse, sowie die Akzeptanz von Nacktbadenden hat das Nacktsein fast zu etwas Alltäglichem werden lassen.

Ist das so? Ich persönlich toleriere das Nacktbaden an jedem öffentlichen Fluss, See oder Meer und bin gegen extra ausgewiesene FKK-Badeorte, dennoch werde ich vom Anblick nackter Körper peinlich berührt, unabhängig von Alter und Geschlecht, ganz zu schweigen von meinem persönlichen Schamgefühl, mich fremden Personen nackt zu zeigen. Beispielsweise muss ich mir schon in Saunen einen ordentlichen Ruck geben, um dort wie vorgeschrieben meine letzte Hülle in Form der Badeshorts fallen zu lassen und mich in der Wärme, in Anwesenheit fremder Personen, zu entspannen, was ich aber auch nur des Gruppenzwangs wegen tu, immer mit einem flauen Gefühl im Magen. An öffentlichen Flüssen oder Seen schafft es auch kein ordentlicher Ruck. Ich habe mindestens meine Badesachen an. Dies liegt daran, dass mir von klein auf von meinen Eltern beigebracht wurde, mich nicht nackt zu zeigen, schon gar nicht vor fremden Menschen. Des Weiteren behält auch der Großteil der Menschen in meiner Umgebung selbst bei 40 Grad die Kleidung an.

Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die sich nackt zeigen und dies auch ohne Schamgefühle tun und wünsche mir sehr oft, dies etwas weniger pikiert mit ansehen zu können, doch solange das Denken vom Menschen als ein bekleidetes Wesen in meinem Kopf verankert ist (und ich denke, so geht es nicht nur mir allein), werde ich wohl immer wieder peinlich berührt auf den Boden starren müssen, wenn sich Menschen in der Öffentlichkeit ausziehen.

 

 

© Markus Gerbl, 2012

 


Nachwort:

Diesen Beitrag schrieb ich für die Jugendkolumne: keineJugend.de