Geschlechterkampf am Fußgängerüberweg

Herzlich Willkommen im Jahr 2015!

Ich wage mal zu behaupten, dass jeder von euch in seinem Leben mindestens einmal eine Fußgängerampel überquert hat. Die meisten von euch dürften – so wie ich – schon eine gewisse Routine in dieser Sache entwickelt haben. Deshalb frage ich mal in die Runde, insbesondere an die Leserinnen:

Fühlt ihr euch durch die Fußgängerampel auf irgendeine Weise benachteiligt oder gar diskriminiert?

Nein? Dann kommt ihr wohl nicht aus Dortmund.
Dort sollen in Zukunft die Hälfte der Fußgängerampeln mit Ampelfrauen ausgestattet werden. Zumindest wenn es nach der ansässigen Rot-Grün-Regierung geht, die bereits im Herbst vergangenen Jahres diesbezüglich einen Antrag an die Stadtverwaltung stellten. Das Ganze soll Dortmund in keine Unkosten stürzen, da nur altersschwache Ampelmänner ausgemustert oder neue Ampelanlagen gleich weiblich ausstaffiert werden sollen.
Aber dieser Antragsstellung muss doch ein Ereignis vorangegangen sein. Gab es in der Vergangenheit vermehrt Revolten an Dortmunds Fußgängerampeln, von denen ich in den Medien nichts mitbekommen habe oder liegt es alleinig an dem Begriff "Frauenquote", der die dortige Rot-Grün-Regierung in den Wahnsinn treibt?

Meine Fußgängerampelerfahrungen aus dem südbadischen Freiburg lassen ersteres eher unwahrscheinlich erscheinen: Die Ungeduldigen, völlig wurscht ob Mann oder Frau, gehen über die Straße, wenn sich eine Verkehrslücke auftut. Die Signale der Ampel werden dabei außer Acht gelassen. Die einzigen Signale, die für diese Passanten zählen sind die ihrer Smartphones. Der große Rest wartet mehr oder weniger geduldig bis es männlich-testosterones Grün wird.
Und daran ändern meiner Meinung nach noch so schicke Variationen an Fußgängerampeln nichts, wie beispielsweise in Erfurt, wo es bereits Ampelfrauen gibt oder auch Ampelmänner mit Regenschirm, mit Eistüte in der Hand und Bäcker-Ampelmännchen.

Doch die Politiker von Rot-Grün in Dortmund sehen das anders. Wenn der Begriff "Frauenquote" alleine nicht zieht bei der Dortmunder Bevölkerung, dann zumindest der Joker "Sicherheit". Und den spielen sie mit folgendem Argument aus:

„Ampelfrauen bieten mehr Sicherheit, weil diese einen Rock tragen. Das vergrößert die Leuchtfläche.“

Das klingt im ersten Moment wie eine plausible Erklärung. Für einige bleibt es auch eine. Für mich aber nicht. Wenn die Sicherheit besser gewährleistet ist durch mehr Leuchtfläche, so frage ich mich, warum unsere Ampelmännchen nicht schon längst eine Plauze tragen?

 

 

© Markus Gerbl, 2015