Selfies - mit dem Tod

Der Trend um die sogenannten "Selfies" dauert nun schon einige Zeit an. Schnell an einem schönen Ort ein Foto von sich selbst per Smartphone geschossen und sofort auf sozialen Netzwerken wie Facebook geteilt, oftmals für Likes und Kommentare wie du bist so sweet oder ist das schön hier *neidisch guck. Streicheleinheiten für das angeknackste Ego.
Leider riskieren dabei vor allem Jugendliche immer mehr ihr eigenes Leben, um den besten Schnappschuss zu machen. Neueste Internet-Trends und/oder der Wunsch, eine Internetberühmtheit zu werden, lassen viele im wahrsten Sinne auf Messers Schneide wandeln.
Hier einige Beispiele:

Selfies auf Bahngleisen:

Bahngleise scheinen sich als Selfie-Kulisse vor allem unter Teenagerinnen immer größerer Beliebtheit zu erfreuen. Die Gleise symbolisieren dabei Fernweh, Unendlichkeit und treue Freundschaft. Dass die treue Freundschaft dabei ein jähes Ende nehmen kann, realisieren sie nicht oder erst dann, wenn ein Zugführer mit einer Notbremsung gerade noch Schlimmeres verhindern kann.
So geschehen vor wenigen Monaten in Bremen, als drei Mädchen den Bahndamm für Selfies erklommen und großes Glück hatten, dass der Zug langsam unterwegs war. Erst danach wurde den Mädchen die Gefahr der Situation bewusst.
Aber es gibt auch andere Fälle: 2011 in Memmingen und zwei Jahre später in Lünen kamen insgesamt vier Mädchen dabei ums Leben, als sie Selfies schießend auf Bahngleisen herumturnten.
Schnappschüsse, die leidtragende Lokführer ein Leben lang mit sich tragen werden.

"Roofing":

"Roofing" – ins Deutsche übersetzt für Dacheindeckung, Überdachung – ist ein Extremsport, der vor allem in Russland unter den jungen Leuten sehr beliebt ist. Hier geht es darum, ohne Sicherung möglichst spektakuläre oder bekannte Bauten zu erklimmen. Der Erfolg wird dann in Form von Videos und Selfies ins Internet gestellt und erlangt so Millionen Klicks, beispielsweise auf Youtube.
Zusammengefasst geht es hier um zwei wesentliche Dinge: sich selbst im Adrenalinrausch (Kick-Erleben) zu spüren, indem man immer wieder seine körperlichen Grenzen austestet und darüber hinausgeht und gleichzeitig das imposanteste Foto oder Video in der Roofing Szene zu knipsen oder zu filmen.
In Deutschland ist dieser Trend gottseidank noch nicht so verbreitet. Das könnte an dem Strafmaß hierzulande liegen, das von einer Geldstrafe, bis hin zu zwei Jahren Haft reicht. In Russland wird Roofing kaum geahndet. Dennoch sind auch hier in Deutschland Fälle bekannt, wie 2014, als ein 18-jähriger auf das Dach einer Münchener Seniorenresidenz kletterte und sich dann am Abgrund sitzend fotografierte. Oder auch aus April 2015, als zwei Roofer den 363 Meter hohen Langschwellensender Donebach in Baden-Württemberg bestiegen.

"Skinny-Selfies":

Und noch eine Form von Selfies entfachte eine Art Wettstreit unter jungen Frauen: "Skinny-Selfies" – das Foto vom perfektesten Körper. Früher gaukelten Shows wie Germanys Next Topmodel ein falsches Bild von Schönheit vor, heute machen junge Leute das selbst untereinander im Internet, indem sie Selfies von ihrem Körper posten. Modelmaße sind hier die Devise. Ein gefährlicher Trend, der durch die ständige Nachahmung der Fotos zu einem verzerrten Bild der Schönheitsideale und letztendlich auch zu krankhaften Essverhalten führen kann.


Mein persönliches Fazit aus meinen Recherchen: ich kann diese Formen von Selfies absolut nicht nachvollziehen. Möglicherweise mag es daran liegen, dass ich a) zu meiner Teenagerzeit noch kein Smartphone hatte, da diese erst in der Entwicklung waren (und auch heute besitze ich noch keins) und b) ich mittlerweile wohl ein Alter erreicht habe, in dem Verstand vor Leichtsinn agiert.

Ich wünschte mir, es wäre bei den Selfies vor dem Spiegel geblieben.

 

 

© Markus Gerbl, 2015