Wer hat an der Uhr gedreht?

Am Sonntag hatte ich das Gefühl, den ganzen Morgen verschlafen zu haben. Was aber nicht daran lag, dass ich die ganze Nacht durchgezecht hatte, sondern an dem alljährlichen Übel der Zeitumstellung.
Wie seit 1980 gewohnt, wird die Uhr am letzten Wochenende im März eine Stunde vorgestellt, um die Sommerzeit einzuläuten, die bis zum letzten Wochenende im Oktober andauert. Dann gibt es die vermeidlich verlorengegangene Stunde wieder zurück.
Trotzdem ist und bleibt es ein immer wieder heiß diskutiertes Thema, wann und wie die Uhren umgestellt werden.
Tags zuvor hatte ich auf einer Zugfahrt beobachtet, wie eine Gruppe Jugendlicher zu einer Pattsituation kam, weil zwei mit der Richtung der Uhrstellung falsch lagen und zwei einen Zufallstreffer landeten. Ein anderer meinte mal vor längerer Zeit zu mir, die Uhren würden nur im Herbst umgestellt. Ein dunkles Kapitel in der Menschheitsgeschichte.

Fakt ist: Erstmals wurde 1916 die Zeitumstellung in Deutschland eingeführt. Danach gab es immer wieder Phasen, in denen die Uhren bei ihrer Arbeit in Ruhe gelassen wurden, wie zuletzt zwischen 1950 und 1980.
Warum man dann dieses Prozedere mit der Sommerzeit wieder eingeführt hat, verstehe ich nicht. Der Gedanke, so Energie sparen zu können, war meiner Ansicht schon zur Einführungszeit längst hinfällig. Ob ich nun das Licht abends eine Stunde später anmache, aber dafür morgens eine Stunde länger brennen lassen muss, ist doch gehopst wie gesprungen. Einzig und alleine die Aussage mit der Anpassung an andere Länder, die bereits oder noch die Uhrenumstellung haben, kann ich hinnehmen.

Ich suche trotzdem den Sinn dahinter, wenn ich wie am letzten Sonntag müde aus dem Bett krieche und meinen Salzstreuer fürs Frühstücksei nicht mehr vom Zucker unterscheiden kann, ja selbst geschmacklich keinen Unterschied darin erkenne, dass ich mir gerade meine Zähne mit Flüssigseife putze. Diese gestohlene Stunde raubt mir bis zu zwei Tage meinen klaren Verstand, weshalb ich rein zeitlich gesehen, die Winterzeit (Normalzeit) doch etwas lieber habe.

Aber eins ist mir klar: Drücken kann ich mich nicht, und so habe auch ich am letzten Sonntag zwangsläufig an der Uhr gedreht.

 

 

© Markus Gerbl, 2015