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Professionell windet sie ihren Körper im Blitzlicht der Kamera in unterschiedliche Posen, die ihr mit fast permanenten Zurufen vorgegeben werden. Mal liegend, mal sitzend, mal stehend, aber immer so sexy und bestaussehend wie nur möglich. Sie weiß, all ihre Bewegungen und Stellungen, die sie vollbringt, müssen solch einen leichten Eindruck beim Betrachter gewinnen, wie ein Atemzug. Eine Selbstverständlichkeit, um in diesem Business arbeiten zu können. Denn auch ein Atemzug trennt ihre Karriere jederzeit vor dem bitteren Aus.

Schweißperlen machen sich auf ihrer Stirn breit. Die Aufnahmen werden für kurz unterbrochen, damit die Visagistin die Schweißperlen entfernen kann. Ihr Werbegesicht muss perfekt sitzen. Dann konzentriert sie sich wieder und lehnt sich, ihre Brüste deutlich sichtbar Richtung Kamera, an das nun hinzugezogene männliche Model.

„Leg deinen linken Arm um seine Schulter, die Hand an seine linke Wange… etwas höher… ja, so, und schaue ihn begehrend an… noch lustvoller… okay so ist gut.“

Sie braucht nicht nur das gewisse Gespür bei der Sache, um ein Star zu sein und zu bleiben, sie muss auch auf das Gespür der an ihrem Ruhm Mitwirkenden, wie eben den Fotografen vertrauen.

Nichtdestotrotz weiß sie: Auf ihren Körper ist Verlass.

 

 

© Markus Gerbl, 2012 


Nachwort:

Entstanden ist der Text aus den drei vorgegebenen Wörtern: Werbegesicht, Atemzug und Gespür, die im Text eingeflochten sind.