Schnee von gestern

„Ich sollte endlich damit aufhören!“, murmelte er vor sich hin.
Er drückte seine Zigarette im Aschenbecher aus und blies den Rauch durch das offene Fenster in den kalten Morgen. „Das war definitiv das letzte Mal!“
„Wem willst du etwas vormachen?“
Sie musste ihn gehört haben, denn nun spürte er ihre zarten Hände über seine Schultern und Arme streichen. Ihr warmer Atem streifte sein Ohr. „Du kannst auf Dauer nicht ohne mich, das weißt du.“
„Du musst jetzt gehen, meine Frau kommt gleich aus ihrer Nachtschicht zurück.“, drängte er sie zum Gehen. Er streckte ihr ihren Mantel entgegen und sie schlüpfte hinein. Dann küsste er sie kurz und öffnete die Haustür.
„Du weißt ja, wie du mich erreichst“, sagte sie zum Abschied, bevor ihre Stiefel Abdrücke im Neuschnee hinterließen.
Er grummelte, steckte sich eine neue Zigarette an und machte sich ans Werk, die Spuren schnellstmöglich wieder zu verwischen. Bestimmt würde sich seine Frau über den frisch geräumten Weg freuen.

 

 

© Markus Gerbl, 2014