Göttlich

Der Bischof musste in seiner teuren Badewanne eingenickt sein. Sein Blick auf die Rolex verriet ihm, dass er sich schon seit einer halben Stunde bis zum Hals im Weihwasser befand. Wie realitätsfern. Die Uhr war stehengeblieben.

„Langsam Zeit zum Essen“, dachte er und schwang seine Beine auf die beheizten, blauen Kacheln, die den Fußboden schmückten. „Wie der Himmel auf Erden, in Stein gehauen.“

 

Fünfzehn Minuten später saß der Bischof mit seinem neuen Bademantel, einer Extraanfertigung  mit aufgestickten Engeln, am reich gedeckten Tisch. Er nahm das Brot, teilte es in zwei Hälften, um einen Teil mit Schinken und Kaviar, den anderen mit Limburger Käse zu belegen. Beide Teile schlang er gierig mit Hilfe französischen Rotweins aus dem Kelch nacheinander hinunter. Anschließend machte er ein Bäuerchen und klopfte sich lachend auf seinen Bauch: „Das war göttlich.“

 

Es polterte aus der anderen Ecke des Raumes. Der Bischof stand erschrocken auf, warf schnell ein weißes Tischtuch über sein Schlaraffenland und bemerkte erst dann, dass es sich nur um das Kreuz handelte, das von der Wand fiel.

„Hat sich der Nagel mal wieder gelöst? Das haben wir gleich wieder“, murmelte er, ließ einen neuen einschlagen und hängte das Kreuz zurück an die Wand.

 

Insgeheim weiß ich, dieser Anblick hatte Jesus aus den Socken gehauen.

 

 

© Markus Gerbl, 2014